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Bürger : ein deutsches Dichterleben / Roman von Otto Müller
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fand zu ſeinem Entzücken unter demſelben eine todte Maus. Nun ließ er die Bandeiſen, welche an den Seiten⸗ wänden der Pritſche feſt geblieben waren, wieder in die Löcher der Dielen fallen, und ſchellte dem Carcerdiener mehrmals ſchnell hinter einander.

Nach einer Weile klirrten die Riegel. Hahn lag mit ausgeſtreckten Armen ſtöhnend auf der Pritſche, als Herr Zacharias Mehlfink, der Gerufene, in ſeinem ſchwarzen Sammetkäppchen mit einem brennenden Licht in der Hand hereintrat, und ſich beſorgt ſeinem Lager nahte. Hahn hatte die Augen weit und wild aufgeriſſen und ſtarrte ihn ſprachlos an. Seine Mienen waren verzerrt, ſeine Bruſt athmete ſchwer.

„Um Gott, mein guter Herr Hahn, was fehlt Ihnen?“ rief der alte, gutmüthige Mann mit wehklagender Stimme und ſchlug erſchrocken die Hände zuſammen.

„Iſt er fort der Schreckliche? rief dieſer, wie aus einem ſchweren Traum erwachend und ſpähte ängſtlich im Carcer herum.„Gelobt ſei Gott, ich ſehe ihn nicht mehr!“ ſagte er dann freier athmend und richtete ſich auf.

„Wer denn, beſter Herr Hahn, wer denn? Es war ja kein Menſch bei Ihnen! ſtammelte Herr Mehlfink, dem es bereits eiskalt über den Rücken lief, deſſen Neugierde aber eben ſo bekannt war, als ſeine Geſpenſterfurcht.

„Kein Menſch— nein wahrhaftig kein Menſch,“ ver⸗ ſetzte Hahn zähnklappernd und bekreuzte ſich.„Sagen Sie mir einmal,“ fuhr er dann zutraulicher fort—„ha⸗ ben Sie niemals gehört, daß es in dem Fuchsbau ſpukt?“

„Spukt!“ ſchrie Mehlfink zurückprallend mit der hellen Stimme des Entſetzens und ſpreizte alle zehn Finger in ſeiner Herzensangſt auseinander.