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Bürger : ein deutsches Dichterleben / Roman von Otto Müller
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ſonſt ſo erfinderiſcher verſchlagener Kopf verſagte ihm heute zum Erſtenmal, und ſein Witz blieb ſo kahl, wie die vier Wände ſeines Carcers. Um ſich zu zerſtreuen, ſtopfte er ſich eine Pfeife, und ſeinen Unmuth in dichten Wolken von ſich blaſend, beſchäftigte er ſich mit der Lekture der artigen Sinnſpruüche und Aphorismen, und mit der Be⸗ trachtung der Carricaturen, welche frühere Leidensbrüder an die Wand gekritzelt hatten. Man hätte aus ihnen eine eben ſo wahrhaftige als ergötzliche Chronik des Fuchsbau's ſchreiben können; bis an die Decke war kein Plätzchen mehr leer, um einen neuen, noch ſo ſchmalen Witz anzu⸗ bringen.

„O holte mich der Teufel doch

Aus dem verwünſchten Carcerloch!“ hatte Hahn eben mit vieler Mühe heraus buchſtabirt, als ihm wie ein Blitz der Gedanke durch den Kopf fuhr: „Ja der Teufel muß dich holen!“

Und ſchon war ſein Plan fertig!

Er zog einen ſeiner wollenen Strümpfe aus und zerriß ihn in tauſend kleine Stücke; dann ſchnitt er ſich mit ſei⸗ nem Federmeſſer einen Büſchel Haare vom Kopf; ſammelte an der Decke ſämmtliches Spinnengewebe und mengte Alles wohl durcheinander. Hierauf öffnete er das Fenſter, langte mit Hülfe ſeines Ziegenhainers, an deſſen einem Ende er die Lichtputze befeſtigt hatte, ein altes Spatzenneſt aus einem Mauerloch hervor und erhielt dadurch einen großen Vorrath von Stroh und Federn. Sämmtlichen Wuſt wickelte er nachdem er ihn vorher tüchtig aus der Oellampe eingetränkt hatte in einen großen Zunderlappen.

Die bretterne Pritſche war mit mehren Bandeiſen an dem Fußboden befeſtigt. Nach langer Anſtrengung glückte es ihm, ſie los zu machen. Er hob den Kaſten auf, und

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