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Bürger : ein deutsches Dichterleben / Roman von Otto Müller
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ſo rührte ihn jetzt ſeine hülfloſe verlaſſene Lage auf das Tiefſte, und es war ſogleich beſchloſſene Sache bei ihm, daß er ſich ſeiner nach Kräften annehmen werde.

Ein heller Strahl der Freude verklärte das Antlitz des Buchonkels, als Bürger ſeine Verſicherung wiederholte, daß er künftig bei ihm und Dora in Wölmershauſen wohnen ſolle. Zwei große Thränen rollten über ſeine Wangen, er faltete die Hände und ſein noch immer ſchönes lebendiges Auge blickte lange mit dem Ausdruck frommer Rührung nach Oben.

„Sie ſind ein treuer Vaſall,“ ſagte er dann und drückte ihm herzlich die Hand. Aber plötzlich ſtockte er, ſeine Miene wurde ernſt und nachdenklich, und ſchmerzlich das Haupt ſchüttelnd, ſagte er:„Es geht doch nicht.“

Er ſtand auf, ſchritt mehrmals durch das Zimmer, drehte ſich ſinnend nach den vier Ecken des engen Gemachs und widerholte dann ſeufzend:„Es geht doch nicht.“

Als Bürger in ihn drang, ſich deutlicher zu erklären, er⸗

widerte der Alte mit großer Bekümmerniß:

„Wer wird ſich dann der kleinen Molly annehmen, wenn ich ſie verlaſſe? Und wer ſoll mir dann meinen Leim kochen und mir die Pappendeckel ſchneiden, wenn Molly nicht bei mir iſt? Nein, nein, es geht nicht! Wir Zwei buchbindern und kleiſtern zuſammen, bis an unſer Lebensende! Ach, warum hat mein armer Schwager kein Teſtament gemacht!

Erſt als Bürger ihn verſicherte, daß Molly gleichfalls nach Wölmershauſen ziehen werde, gab ſich der Alte zu⸗ frieden und wurde nun äußerſt geſprächig und mittheilend. Er öffnete Bürgern Herz und Schubladen, langte all' ſeine gekleiſterten Raritäten hervor: Käſtchen, Büchschen, Döschen, Etuis von jeder Form, Alles äußerſt nett und

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