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Bürger : ein deutsches Dichterleben / Roman von Otto Müller
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laureatus. Auch Bürger hatte es gern mit dem alten,

wunderlichen Manne zu thun und die barocke Eigenthüm⸗

lichkeit ſeines Weſens, ſowie die hartnäckige Conſequenz, mit der er ſeit vielen Jahren an gewiſſen firen Ideen feſthielt und ſich durch nichts in ſeinen wunderlichen Chimären irre machen ließ, intereſſirten ihn immer wieder von Neuem, zumal der Alte, trotz ſeiner närriſchen ver⸗ ſchrobenen Einfälle nicht ſelten in ſeinen Gedanken eine Originalität und einen Witz bekundete, der zweifelhaft ließ,

ob man es mit einem weiſen Narren oder mit einem när⸗

riſchen Weiſen zu thun habe. Selbſt ſeine Narrheit er⸗ ſchien dann wie eine höhere Inſpiration, oder nahm den Character eines unheimlichen Humors an, der ſich an den Fratzen ſeines eignen Tiefſinns ergötzt, und Wahrheit und Lüge bunt und ſcheckig durcheinander unter die Nebel⸗ kappe der Ironie ſteckt.

Der„Buchonkel,“ ohne bei Bürger's Erſcheinen ſeine Stel⸗ lung zu verändern, nickte dem Eintretenden freundlich ent⸗ gegen und mit der Fläche ſeiner beiden Hände mehrmals haſtig auf die ledernen Hoſen klatſchend, ſagte er:

„Die Geſchichte wird immer drolliger, und wenn das ſo fort geht, ſchießen mir die Rothnaſen von Liſſabon noch meinen letzten Dreimaſter in den Grund. Wollen Sie mir nicht beiſtehen, lieber Vetter, und mir zu einem leid⸗ lichen Frieden verhelfen? Die Hallunken jagen mich ſonſt noch aus dem mittelländiſchen Meer hinaus, und eines Tag's

„ ſegelt der Vasco de Gama an meine Küſten und beſchießt

mir Baſtia und Calvi. Aber ſo weit darf es nicht kom⸗

men, und ich überlege eben, wie wir's am beſten angreifen, um für Korſika einen dauernden Frieden zu gewinnen. Da

drüben, ach du lieber Gott! da drüben liegt eine ſtumme

Leiche, und wenn mein guter Schwager gewußt hätte, wie