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Bürger : ein deutsches Dichterleben / Roman von Otto Müller
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getheilt hatten, ſchien Molly, noch immer das Haupt auf ſeine Schulter gelehnt, ſanft zu ſchlummern.

Beide betrachteten mit Rührung ihre blaſſen Züge, und Dora äußerte die Befürchtung, ſie möge ihrem Schmerze erliegen.„Fünf Nächte hat ſie nicht geſchlafen,“ ſagte ſie leiſe;„und wie ich ſie auch geſtern Abend bitten mochte, ſich zu Bette zu legen, ſie war nicht von dem Vater weg⸗ zubringen und ſelbſt als er ſchon eine kalte Leiche war, ſaß ſie noch an ſeiner Seite, redete mit ihm und trocknete mit einem Tuche ſeine Stirne. Wir konnten ſie nicht überreden, daß der Vater ihrer Wartung nicht mehr be⸗ dürfe, daß er ihre Worte nicht mehr höre. Sie verſicherte uns, daß er nur ſchlummere, betheuerte, wie ſie den Schlag ſeines Pulſes und die Wärme ſeines Athems ſpüre, und jeden Verſuch, ſie von dem Bette wegzubringen, wieß ſie mit Heftigkeit zurück. Nur wenn ihre Hand ſeine kalte Leiche berührte, ſchrack ſie zuſammen, ſah bald uns, bald den Todten zweifelhaft an und redete in irren Worten. Die Aerzte drangen zuletzt darauf, daß ſie das Zimmer verlaſſen müſſe, aber ſie that es erſt gegen Mitternacht, nachdem wir ſie auf ihren ausdrücklichen Willen durch das Oeffnen einer Ader überzeugt hatten, daß hier alle Hoff⸗ nung dahin ſey. Ich wußt es ja, ſagte ſie, als kein Blut floß; er war ja auch ſo ſtumm— ſo kalt— und hieß mich nicht mehr ſchlafen gehen. Und ohne Widerſpruch verließ ſie nun das Zimmer. Gottlob; daß ſie jetzt ſchläft und ihre zerrüttete Natur ſich erholen kann.“

Dies und anderes erzählte Dora ihrem Manne und Bürger meinte, Molly ſchlafe jetzt ſo feſt und die Er⸗ ſchöpfung ihrer Lebensgeiſter ſey ſo groß, daß man ſie auf das Sopha legen könne, ohne ſie aufzuwecken. Aber ſobald er ſich regte, ſprach ſie ein paar unverſtändliche