„Mit den Worten kommen Dir auch die Thränen, und mit ihnen Linderung Deines Schmerzes.“
„Mein Schrecken iſt größer, als mein Schmerz,“ erwie⸗ derte ſie.„Hätt' ich ihn nicht ſterben ſehen— ich könnte vielleicht weinen. Aber das Sterben, Bürger, das Ster⸗ ben iſt ſchrecklich! Wer's anſieht mit meinen Augen, der ſtirbt mit.“
„Der edle Mann hatte noch viel zu leiden?“ fragte Bür⸗ ger und barg ſein Antlitz weinend in der linken Hand.
Und wie der kühle Thau der milden Nacht auf die lech⸗ zende Blume, ſo fielen ſeine Thränen auf Molly's Hände und in ſeinem Weinen fand auch endlich ſie die lang ent⸗ behrte Thräne; die lähmende Angſt wich von ihrer Seele, ihre Hände erwärmten ſich und ein leiſes Nervenzucken verrieth ihm das wiederkehrende Leben.
Bald darauf erſchien auch Dora, die man von Bürger's Ankunft benachrichtigt hatte. Er ſaß noch bei Molly auf dem Sopha, und zog ſie zu ſich nieder an ſeine andere Seite. Aber wie verſchieden von Molly's Trauer war die Ihrige!— Während dieſe wie vergeiſtert, ein leibhaf⸗ tiges Bild der ſtummen Verzweiflung, jedem Troſte unzu⸗ gänglich, ihrem Schmerz um den todten Vater zu erliegen ſchien, zeigte Dora eine Ruhe und Faſſung des Gemüthes, die um ſo mehr zu bewundern war, als es ihr nicht, wie Molly vergönnt geweſen, ſich auf einen ſolchen Verluſt vorzubereiten, als ſie erſt am Krankenbett erſchienen war, da der Engel des Todes ſchon zu ſeinen Füßen ſaß, und der Sterbende ſie nur noch mit einigen unverſtändlichen ſchwachen Lauten begrüßen konnte.
Von ihr erfuhr Bürger die näheren Umſtände der Krank⸗ heit und des ſchnellen Todes ſeines Schwiegervaters, und während ſie ihm erzählte, was die Aerzte ihr darüber mit⸗
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