Bemerkung auf, daß die Leiden, die es erfindet, größeren Muth zum Ertragen wollen, als die, welche Trübſinn und Selbſttäuſchung uns bereiten; und wie mehr und mehr die Liebe zu Molly in allmächtiger Wahrheit ſein Gefühl als einzige Sebnſucht beherrſchte, ſo mußten auch jene lähmen⸗ den, prickelnden Sorgen ſchwinden, die er ſonſt ſo geſchickt aus der grauen Atmoſphäre ſeiner Melancholie aufgegriffen hatte. Jeremiä ſchwermuthsvolle Elegie verſtummte, und das„hohe Lied von der Einzigen“ rauſchte in pomphaftem Rhythmus durch ſeine Seele.
Jenes Gefühl, das ſonſt eine ſchwärmeriſche Natur aus dem Leben der Realität ſo reizend in das dämmernde Ely⸗ ſium der Träume lockt, es wurde für ihn durch die Ver⸗ hältniſſe, zu einem Object ſeines Verſtandes, zu einer That ſeines Lebens; und er mußte allen Scharfſinn, alle Energie ſeines Geiſtes aufbieten, ſich einen Beſitz anzueignen, den ihm die Welt ſtreitig machte, den er vor keinem Richterſtuhl der Menſchheit als ein Recht anſprechen durfte.
Zum erſtenmal bot ihm das Leben einen Kampf um des Lebens höchſten Preis. Er durfte dieſen Kampf mit allen gefei'ten Waffen ſeines Geiſtes, mit der gottvollen Caſuiſtik ſeines Herzens beginnen, und ſein beſtes Blut ihm weihen. Zum erſtenmal galt es dem ſo oft und bitter Getäuſchten, dem ſeither„alle Palmen, eines beſſern Lenzes werth“ früh geſtorben waren, ihm galt es nun, ſeine hohe und einzige Sehnſucht, weit über das Gewöhnliche und Beſtehende hin⸗ aus, in entzückender Liebe feſtzuhalten und ſie zur ſchick⸗ ſalsvollen heroiſchen That zu erheben; ja vielleicht war es eben der tragiſche Moment dieſer Verhältniſſe, was ihm einen Kampf mit ihnen ſo reizend als unabwendbar machte. „Ich wüthender Löwe, der ich oft weder meines Menſche verſtandes noch Herzens mächtig war, hätte Vater un


