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Bürger : ein deutsches Dichterleben / Roman von Otto Müller
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licherweiſe auch wieder geſunden und Molly dann wie ſeit⸗ her in Niedeck bleiben würde. Auf dieſe Weiſe umfing er

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es ihm, als habe die Nacht einen anderen ſchattenhafteren Charakter angenommen. Der Mond, der ſeither voll und leuchtend am Himmel geſtanden, war hinter Wolken ge⸗ treten, und der Schnee, der vorhin in blendender Helle wie Kriſtall geklitzert hatte, bildete nun einen grauen ton⸗ loſen Grund; der Kirchhof mit ſeinen Gräbern lag nun ganz im Schatten, und die Tannenbäume ragten ſchwarz und formlos daraus hervor; kurz alle Gruppen der Um⸗ gebung hatten mit einmal eine and're nachtſchattige Phy⸗ ſiognomie erhalten.

Aber Bürger war zuviel mit Anderem beſchäftigt, als daß er von dieſer Verwandlung in der Außenwelt Notiz genommen hätte. Der Gedanke an die Möglichkeit von dem Tod ſeines Schwiegervaters und die Frage was dann aus Molly werden ſolle, beſchäftigte immer lebhafter ſeine Seele; und jenes Gefühl, das ihn vorhin ſo plötzlich an⸗

getriekgam hatte, dem Schickſal vorzugreifen und der ver⸗

laſſenen Molly ein freundliches Aſyl unter ſeinem Dache zu bereiten, wurde bald zum feſten Entſchluß und erfüllte ſeine Einbildungskraft mit den reizendſten Situationen. Wie er vorhin dasjenige, was doch nur bedingterweiſe ge⸗ ſchehen konnte, bereits factiſch in der grünen Stube im voraus durchlebt, und die bloße Sehnſucht nach Molly's beſtändiger Nähe bereits als ſchöne Erfüllung ergriffen

und auch, bis auf den Porcellantopf mit den ſüßen Kir⸗

ſchen feſtgehalten hatte, ſo hatte die Clairvoyance ſeines Herzens gleichfalls keinen Grund mehr, an der einen un⸗ bedeu tenden Ausſicht zu erblinden, daß der Vater mög⸗

ſein Herz und ſeinen Verſtand mit eitlen Illuſionen und der fataliſtiſche Philoſoph in ihm ward immer geſchäftiger.

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