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Bürger : ein deutsches Dichterleben / Roman von Otto Müller
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noch in Halle; ihre älteſte Schweſter, an einen Arzt im Hannövriſchen verheirathet, lebte zwar in glücklichen ſor⸗ genfreien Verhältniſſen, aber ſie hatte zwei Kinder und ein drittes dazu hätte ihr zu viel Laſt gemacht.

Bürger ergriff unwillkührlich das Licht und trat in das anſtoßende grüne Zimmer. Hier lag es bunt und unor⸗ dentlich genug durcheinander, obgleich es das Staatszim⸗ mer war. Auf dem Sopha Wäſche, auf dem runden Tiſch davor unter einer Serviette die Ueberreſte eines kalten Bratens, auf dem Ofen Citronen, unter demſelben ein Vorrath Seife und das Bett ohne Ueberzüge und Gar⸗ dinen.

Ohne eigentlich recht zu wiſſen, was er wollte, ſchloß er Dora's nußbaumenen Weißzeug⸗Schrank auf und legte die Wäſche in die Gefächer; dann trug er die Platte mit dem Braten in die anſtoßende Vorrathskammer, und die Citronen, die Seife, und mehre Töpfe mit eingemachten Früchten mußten ihm dahin folgen. Bürger wurde immer geſchäftiger und lächelte ſelbſt über die Ordnungsliebe, die

ihm doch ſonſt nicht angeboren war. Erſt als ein Por⸗

cellantopf mit ſüßen Kirſchen unter ſeinen Händen zerbrach und ſein blutrother Inhalt auf der Erde lag, kam er zur Ueberlegung, und ließ das weitere Aufräumen geſchickteren Händen. Der zerbrochene Topf blieb auf den Dielen lie⸗ gen; dieſe Kirſchen zum Wenigſten ſollten nicht gegeſſen werden!

Die Natur iſt wie das Auge, das ſie anſchaut, wie das Herz, das ſie ſucht.

Als Bürger, aufgeregt durch die ungewöhnliche Arbeit wieder an dem Fenſter ſeiner Studierſtube ſtand, ſchien