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Bürger : ein deutsches Dichterleben / Roman von Otto Müller
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Namen ihrer beiden Kinder nannte. Aber das Waſſer er⸗ griff die Abtrünnige und zog ſie hinunter in ſeine ſchatten⸗ hafte Tiefe. Wenn's nun Frühling wird, kommen zwei Heidelerchen aus dem Morgenland geflogen, tauchen die kleinen Schnäbel in das Waſſer und ſingen allnächtlich in dem Fichtenbaum, der auf dem Hügel ſteht.

Bürger fühlte ſich am heutigen Abend in einer überaus freien und gehobenen Stimmung der Seele, wie ſie ihm lange nicht gekommen war. Neues verjüngtes Leben floß durch ſeine Adern, ſeine Bruſt wurde weiter und das Auge ſeines Geiſtes ſchaute nach langer Zeit wieder einmal hell über Leben und Sorgen hinaus in die goldne Welt ſeiner Träume und Ahnungen. Wie Trunkenheit überkam ihn dieſe Ruhe, dieſer Frieden in der unendlichen Schöpfung, und hätte er heute, in dieſem glücklichen leid⸗ und neid⸗ loſen Zuſtand am Himmel ſeinen guten Stern geſucht, er würde ihn gefunden haben.

Dora war in Niedeck. Ein Brief von Molly hatte ſie dieſen Morgen an das Lager des plötzlich ſchwer erkrankten Vaters gerufen und Bürger wollte ihr mit der Frühe des andern Morgens dahin nachfolgen.

Dieſer Gedanke war es, der ihn wach und hell erhielt; und wie bedenklich auch die Veranlaſſung dieſes plötzlichen Wiederſehens der Geliebten war, für ſein Herz gab es nur ein Gefühl, welches wir dem eines Schiffbrüchigen vergleichen mögten, den eine gnädige Welle aus der Bran⸗ dung an das ſichre Ufer trägt. Er erwacht und ſieht ſich geborgen! 3

Es lag der Gedanke ſo nah, was nach dem Tod des alten Leonhart aus Molly werden ſolle? In Niedeck konnte ſie nicht bleiben, denn dort mußte das herrſchaftliche Amt⸗

haus geräumt werden. Molly's Bruder ſtudierte dermalen 3

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