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Bürger : ein deutsches Dichterleben / Roman von Otto Müller
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wie ein Traueraltar auf die ſchneebedeckten Grabhügel nieder fiel. Hier und da flimmerten von den ſchwarzen Kreuzen ein Gold⸗Buchſtaben oder eine blaue Glasperle. Neben der Kirchthüre lag unter einer bretternen Verdachung die Todtenbahre. Auf ihr hatte der vorige Nachtwächter, ein närriſcher Kauz, während 30 Jahren manches Räuſch⸗ chen und manches:Bewahrt das Feuer und das Licht friedlich verſchlafen, und eines Morgens war er hier aller Dienſtpflicht ledig, als Leiche gefunden. Die Einbildungs⸗ kraft der Dorfbewohner ſieht noch manchmal den alten Geſellen auf der Bahre ſitzen, das Nachtwächterhorn zwi⸗ ſchen den Knieen, und die Wache verſchlafen.

Neben dem Amthaus befand ſich in einem Hügel eine gewölbte Brunnenſtube, in der es beſtändig rauſchte und plätſcherte. Auch dieſes Waſſer hatte die geſchäftige Fan⸗ taſie der Landleute mit einer anmuthigen Sage ausge⸗ ſtattet. Denn in der Tiefe des Hügels wohnte eine ver⸗ wünſchte Nixe, dieſchöne Kalli genannt, ein wunderlieb⸗

lich Sarazenenkind aus Damascus. Eine Zauberin und

wohlerfahren in hölliſcher Liebeskunſt, hatte ſie einen deut⸗ ſchen Ritter, dem Sarazenen⸗Säbel eine tiefe Wunde in die Bruſt geſchlagen hatten, in ihr Haus aufgenommen und ſeine Wunden geheilt. Als er geneſen war, warf ſie ihre beiden Kinder in einen tiefen Brunnen und floh mit dem Geliebten aus dem Haus ihres Mannes. Mit dem Waſſer des Brunnens neben dem Amthaus wurde ſie ſpäter zur Chriſtin getauft.

Aber die ſchöne Heidin mit den ſchwarzen Augen konnte ihre alten Götter und die böſen Zauberkünſte nicht ver⸗ geſſen, und täglich ſchlich ſie in den Abendſtunden vom

Schloß nach dem Brunnen, warf fluchend einen Stein in's

Waſſer, wobei ſie ſich über daſſelbe beugte und die