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Bürger : ein deutsches Dichterleben / Roman von Otto Müller
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nahes Ende prophezeihte. Seine unverwüſtliche Lebenskraft ſchien nicht lange mehr gegen dieſe Stürme ausdauern zu können und nur das Bild der Einzigen und Hochgeliebten gab auf Momente ſeinem Auge den alten Glanz, ſeinem Herzen das alte Träumen zurück.

Ein Glück für Dora, daß es ihr nicht gegeben war, eine Hand zu ergreifen, die ihr nicht angeboten, in ein Herz zu dringen, das ihr nicht geöffnet wurde. So weich und innig ſie ſchmeicheln und tröſten konnte, ſo vorſichtig

und kalt war ſie, wo das Vertrauen fehlte. Und in der

That Bürger ward bezwungen von dem Ernſt, mit dem ſie ſeine Kälte ertrug, von der Freude, die jeder Sonnen⸗ blick ſeines umnachteten Lebens auf ihrem Antlitz ver⸗ breitete. Er beſaß Lügen⸗Dämon und Fantaſie genug, um in ihren weichen Armen ſeine Molly zu lieben und ſo das Heiligſte der Liebe, das reine Bild, ſeiner Sinnlichkeit zu opfern.

Aber auch der Dämon der Lüge hat ſeine ironiſchen

Stunden, wo er recht wie ein guter Tragöde, die Täu⸗

ſchung aufgibt und ſich ſelbſt ſpielt. Da hilft kein fatali⸗ ſtiſches Raffinement und keine Sopbhiſtik des Herzens, und wie ein Phönix erhebt ſich der beleidigte Engel der Wahr⸗ heit ſonnenklar aus den unreinen Flammen..

Die Nacht war außerordentlich hell und der Mondſchein blitzte auf dem Schnee. Bürger lehnte an dem offenen Fenſter mit verſchränkten Armen und kühlte Stirn und Buſen am friſchen Hauch, der von der ſüdlichen Höhe über das weiße Gefild ſtrich. Kein Laut regte ſich; nur dann und wann knarrten die Räder der Kirchenuhr in das Rauſchen des Brunnens neben dem Hauſe; oder die