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Bürger : ein deutsches Dichterleben / Roman von Otto Müller
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38 der Tod und ſeiner Schrecken Schrecklichſter, der Tod in der Schuld. Man leſe nur die Lenore, den wilden Jäger und die Pfarrerstochter von Taubenheim und man wird unſere Andeutung gerechtfertigt finden.

Bürger gehörte nicht zu jenen Menſchen, die, wenn es in ihrem Gemüthe ſtürmt und wogt, der Umgebung ein ruhiges Aeußere zeigen können. Er wußte von keiner Ver⸗ ſtellungskunſt; und ſo ſehr er ſich auch in Dora's Gegen⸗ wart Gewalt anthat, ſie nicht ahnen zu laſſen, was in ihm vorging, die Unruhe und Reizbarkeit ſeines Weſens, die nicht ſelten beim geringſten Anlaß bis zum höchſten Affekt fich ſteigernde Erſchütterung ſeiner Gefühte, die Bit⸗ terkeit gegen alles ihn Störende, und dann wieder eine ertödtende Gleichgültigkeit und Niedergeſchlagenheit hätten ſelbſt einem weniger ſcharfen Auge, als dem der beküm⸗ merten Gattin nicht verborgen bleiben können. So gab es denn freilich in dieſer jungen Ehe manche beklommene Pauſe, manchen ſtummen Monolog; und die wenigen Stunden, welche dem geplagten Amtmann, der den ganzen Tag hinter Stößen von Actenfascikelnin Sachen des.... contra den.... verſchanzt ſaß, für ſeine Erholung übrig blieben, waren ihm ſo karg zugemeſſen, die Sorgen bes unwürdigen Amtes drückten ihn ſo ſchwer, daß er nur wenige Zeit und dann immer grau vor Aerger und An⸗

ſtrengung außer der Gerichtsſtube zubrachte. Und denkt

man ſich zu all' dieſem ihm ſo wenig zuſagenden dienſt⸗ lichen Verhältniß noch den am innerſten Herzen gebrochenen Dichter, den hohen Genius, der ſich immer und immer

wieder in ihm aufringt, glühend in Haß und Begeiſterung

an dem Eiſengitter rüttelt und nach Freiheit ſchreit, denkt

man ſich lebhaft in all dieſe Zuſtände hinein, ſp wird es ſein

Niemand wundern, daß Jeder, der ihn damals ſah,