Opfer, welche ſie ihrer Liebe gebracht hatte, erſchienen ihm klein gegen die, womit er ſeiner Pflicht Genüge leiſtete. Und doch, mit welcher erlogenen, wir möchten faſt ſagen, ſpitzfindigen Redlichkeit handelte er nicht an dieſem Herzen voll Hingebung und unbedingten Vertrauens! Mit welcher kalten, erbarmungsloſen Logik hatte er nicht dieſes reine vertrauende Gemüth hintergangen und um ſeinen ſchönſten Traum betrogen! Das aber iſt jener kleinliche engherzige Zug in Bürger's ſonſt ſo edler Natur, der für ihn nach Innen und Außen zu einer ſteten Quelle der feindlichſten und ſchroffeſten Mißverhältniſſe wurde: er konnte ſich nie von einer gewiſſen Sucht zu moraliſiren frei machen, und doch war er nicht ſtark und redlich genug, dieſes ſittliche
Gefühl zur erſten Potenz ſeines Herzens zu erheben. Eher
ſchied er ſophiſtiſch ſeine Pflicht von ſeiner Liebe, ſtellte beide als widerſtrebende Gegenſätze hin und vernichtete Eine durch die Andere. So kommt zuletzt der ſelbſtiſche Menſch, der ſo edel und heroiſch zu handelnwähnt, in den ungeheueren Conflikt, daß er, um ſeinem Gotte dienen
zu können, deſſen Altäre zertrümmert. Als wenn es ohne
das ſittliche ein ideales Prinzip gäbe!
Hierzu kam bei Bürger der fataliſtiſche Glaube, der all ſeinem Thun und Fühlen aufgeprägt war. Weil er mo⸗ raliſirte, mußte er an ein blindes Fatum glauben, um durch es dieſe unbequeme Moral nöthigenfalls zu anul⸗ liren. Dieſe fataliſtiſche Weltanſchauung, der er nur ſo lange widerſtrebt, als ihm ſeine Illuſion glückt oder er ſich in der Befriedigung des Beſitzes findet, iſt der Grundton ſeiner Natur, und bedingt das Verſtändniß ſeiner ganzen geiſtigen Organiſation. Seine Liebe wie ſeine Poeſie hallen davon wider, und Einer wie der Andern fehlt die Ver⸗ ounng durch's Leben. Eine wie die Andere verſöhnt nur


