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Bürger : ein deutsches Dichterleben / Roman von Otto Müller
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Labyrinth von Zweifeln und Beſorgniſſen, und doch fand er nicht das Rechte. Zuletzt war es eben nur ein Kum⸗ mer, deſſen Linderung eine ſtandhafte Seele von der Alles verſöhnenden Zeit erwartet; und ſie gewöhnte ſich allmäh⸗ lig daran, ihrem Manne ein ruhiges, unbefangenes Antlitz zu zeigen. Doch jener Muth und jene Zuverſicht waren von ihr gewichen, ohne die es in der Ehe keine Liebe gibt, ſondern nur Dulden.

Hätte Dora, mehr zuverſichtlich als ſie war und weni⸗ ger befangen, von dem Gefühl, Bürger nicht das ſeyn zu können, was er von dem Weib ſeiner Liebe erwartete, die Verhältniſſe mit ruhigem Blicke geprüft, hätte ſie das, was ihr darin vor Allem peinvoll und befremdend war, das Plötzliche, Unerwartete ihrer Lage in's Auge gefaßt, ſie würde bald das Loſungswort gefunden haben, um den Gram zu beſchwören, der auf Bürger's Antlitz ruhte, Aber Dora, ſeither ſo glücklich in der einfachen und natürlichen Löſung ſelbſt der verwickeltſten Lebenslagen und Conjekturen, verlor den Standpunkt dieſer glücklichen Naivetät, und der Verſuch, das traurige Räthſel pſychologiſch zu paraphraſi⸗ ren und auf die Organiſation von Bürger's Geiſt und Seelenzuſtände zurück zu führen, ſcheiterte an dem tota⸗ len Mangel des äußeren Moments; und ſie war liebend

und unglücklich genug, dieſen auf Koſten ihres eigenen

Werthes zu ſuchen.

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Was ſie einſt harmlos und ahnungslos zu Bürger ge⸗ äußert, was ſie tauſendmal unter Scherz und Lachen ihm

und Molly wiederholt hatte:Ihr beide ſeyd in einander verliebt, dieſer Gedanke blieb ihr jetzt ſo fern und fremd, daß ſie ihn wieder völlig neu hätte auffinden

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müſſen. Einen ſolchen Gedanken aber nur als Ahnung

in ihrer Seele aufkommen zu laſſen, lag für ſie außer dem . 5⸗