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welches ihnen das Gebot auferlegt habe, Eins das Andere zu täuſchen und ſelbſt an dieſe Täuſchung zu glauben. Auf Dora's Seele lag es wie ein ſchwerer undurchdring⸗ licher Nebel, und ſie hatte lange alle Sicherheit und Selbſt⸗ ſtändigkeit ihres Charakters nöthig, um ſich in dieſen ängſt⸗ lichen, ungeahneten Zuſtand zu finden. Wie ihr Bürger, nun ſie ſich auf ewig an ihn gekettet ſah, ſo ganz anders erſchien, als vordem, kam ſie ſich ſelbſt wie verwandelt vor; und ſo wenig konnte ſie ſich in ihre eig'ne, wie in des Geliebten Lage hinein finden, daß es ſie oft in muthloſen Stunden wie eine trübe Vorahnung befiel, ihrem jungen Bunde fehle der beſte Segen des Himmels. Sie ward irre an Bürger, an ſich ſelbſt, und doch wußte ſie nicht, von wannen die trübe Wolke aufgezogen war, die ſich mit Einmal ſo ſchattenhaft auf die freundliche Au ihrer Liebe und Hoffnung gelegt hatte. Sie überließ ſich in den erſten Tagen den niederſchlagendſten Vorſtellungen und maß ſich ſelbſt die größte Schuld dieſes traurigen Zuſtandes bei. Es kam ihr die Betrachtung, ob einem ſo edlen Geiſt wie Bürger ihr Beſitz genügen, ob es ihr möglich ſeyn könne, mit ihrer Liebe ſeine ganze Seele auszufüllen. Den Dichter in ihm, den mit hoher Fantaſie und lebendiger Schöpfungs⸗ kraft erfüllten Genius hatte ſie nie ſo recht in's Auge ge⸗ faßt, und ſie mußte ſich ſagen, daß nächſt Bürgers Per⸗ ſönlichkeit, ſein Ruhm und die allgemeine Verehrung, mit der ſein Name genannt wurde, dazu ſein Unglück, ihr be⸗ deutſamer und reizender erſchienen waren, als ſein tieferes Verſtändniß, als das Glück, ſich in ſein Inneres zu ver⸗ ſenken, mit hellen Augen in den Grund ſeines Geiſtes zu
und bewege.
So verxirrte und verwirrte ſich ihr Kununeri in einem.
ſchauen, und zu theilen und mit zu leben, was ihn entzücke


