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Bürger : ein deutsches Dichterleben / Roman von Otto Müller
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Flaſchen auf, warfen die Röcke aus, und ſtimmten plötzlich, in brüllendem Bardenton zum Entſetzen der friedlichen Nach⸗ barſchaft einen welterſchütternden Rundgeſang an.Bruder, Deine Schöne heißt? ſang Voß zu Hahn hinüber, und dieſer das volle Glas erhebend, antwortete mit lauter Stimme:Joſephine Michaelis.

Soll leben ſoll leben leben ſoll ſie hoch reci⸗ tirte der wilde Chor im abgemeſſenem feierlichen Rhythmus, zu welchem Voßen's metriſche Fauſt mit einem mächtigen Ziegenhainer den Takt auf die Tafel ſchlug, während Hahn langſam das Glas leerte und als er es niederſetzte, ſchallte das Donnernde:

Hat's brav gemacht, hat's brav gemacht, D'rum wird er auch nicht ausgelacht!

Hierauf ſtellte ſich Hahn in den Schatten von Michaelis Hauſe und deklamirte in ſchauerlichem Grabes⸗Tremulo die Erzählung des Geiſtes im Hamlet. Als er geendet hatte, ſprang Voß auf den Tiſch, hieb mit einem Rappier

nach den vier Weltgegenden und citirte mit der Stentor⸗

ſtimme eines römiſchen Volkstribuns vor den Richterſtuhl der Vernunft und des guten Geſchmackes:

Erſtens: den Rektor;

Zweitens: den Senat;

Drittens: das Univerſitätsgericht;

Viertens: alle Strohköpfe und ledernen Herzen der ehrwürdigen Georgia Auguſta.

Dieſe energiſche Citation erndtete von den übrigen Hain⸗

bundsgenoſſen einen ungeheuern Applaus, und die Namen verſchiedener Profeſſoren, welche als erklärte Antipoden

des jungen Dichterbundes bekannt waren, wurden nach

einem damals üblichen Lieblingsloſungswort der Göttinger Studenten, zugleich dem ſtärkſten Ausdruck ihrer Verachtung