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Bürger : ein deutsches Dichterleben / Roman von Otto Müller
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Sie wollen heute in Göttingen Ihr Hochzeitsfeſt gleich⸗ falls feierlich begehen und Hahn hat den ganzen Hainbund für dieſen Abend auf ſeine Stube geladen. Cramer dichtete eigends eine Ode, und Voß hat den Plan, Sie, als einen abtrünnig gewordenen Prieſter Apollos bei dem* Hainbund anzuklagen und auf Ihre Excommunication an⸗ zutragen. Hölty will Ihre Vertheidigung übernehmen und Hahn wird zuletzt die Sache vertagen vermuthlich bis in den hellen Tag hinein. Denn daß der Hainbund heute Abend wie ſchon oft in einem Weinbund ausgehen und Hahn wieder großes Aergerniß geben wird, ſteht kaum zu bezweifeln. Ich habe Leiſewitz für alle Fälle ge⸗ beten, ihn nicht eher aus den Augen zu laſſen, als bis ſich die Carcerthüre hinter ihm geſchloſſen hat.

In dieſem Augenblick läuteten die Glocken und der- ſter trat mit der Meldung herein, daß der Herr Pfarrer

in der Kirche ſey. Der alte Leonhart führte Dora zu Bürger und unvermögend, ein Wort zu reden, gab er ihre Hand in die des Bräutigams, den er unter Freudethränen in ſeine Arme ſchloß.

Komm, Dora! ſagte Bürger mit gehobener Stimme. Unter dem Klange der Glocken bin ich geboren und jetzt tönen ſie wieder und rufen mich zum Zweitenmal in's Leben! O ihr guten Götter des Himmels, laßt es ſchö⸗ ner enden, als das Erſte!

Sie ſank an ſeine Bruſt und flüſterte kaum hörbar, mit dem Tone ihrer tiefſten Empfindung:Ja, es ſoll ſchöner werden!

Boie nahte ihr jetzt und ſagte:

Der Freund will, daß ich Sie in die Kirche führen ſoll und ich ſchätze mich glücklich, Sie zu dem ſchönſten Ziel ihrer Jugend geleiten zu dürfen.