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Bürger : ein deutsches Dichterleben / Roman von Otto Müller
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zimmer zu ſchieben, wo der gewandte feine Boie und der artige Dichter⸗Graf ſich durch alle Stadien der Geſellſchaft durchzuarbeiten hatten, um jedem Eintretenden etwas Ver⸗ bindliches und Willkommenes zu ſagen. Beide hatten ſich, wie zwei allirte Generale im Voraus ihr Manoevre genau vorgezeichnet; Boie, an der Thüre poſtirt, empfing den erſten Choc und übernahm ſpäter die Bourgeoiſie, die be⸗ klommenen Mütter, Väter und Mademoiſelles aus dem Beamtenſtand und der Geiſtlichkeit; Stolberg turnirte in den Schranken der höheren Ariſtokratie; die jungen Fräu⸗ leins von Stand, die enchantirten Damen und dito ſitzen⸗ gebliebenen Töchter verblühten Angedenkens, ſo wie die al⸗ ten Herrn mit ihren Parforgejagden, ihren Münchhauſiaden und Ahnen, kurz, der Inbegriff alles deſſen, was zur haute volée gehört und auf Ebenbürtigkeit ſieht, war ſeine Aufgabe, und er ſowohl, als Boie löſten dieſelbe ſo glücklich, daß bald in dem gemiſchten Kreiſe alle Scheu und Standesvorurtheile wichen und man ſich sans géne melirte, ſo gut ſich die Gelegenheit gab und nehmen ließ. Das junge Brautpaar ließ lange auf ſich warten; ſchon hatte die Glocke das zweite Zeichen gegeben und noch im⸗ mer wollte Dora's Toilette nicht fertig werden, noch im⸗ mer hatten die Gäſte ihre Hochzeitſprüche und Gratula⸗ tionen auf dem Herzen, auf der Zunge. Endlich öffnete ſich die Thüre und begrüßt von einem einſtimmidgen Ah!

der Ueberraſchung trat die bräutlich geſchmückte Dora an

Bürger's Hand in die Stube. Sie war äußerſt blaß und angegriffen, und ihre Augen zeigten Spuren von kaum verwiſchten Thränen. Reizend contraſtirten dieſe Zeichen der innerlichen Erregung und Beklommenheit mit dem ſe⸗ lligen Glücke, deſſen nahe Gewißheit in bangender Luſt un

und Sehnſucht ihr Weſen verklärte und gar lieblich n

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