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Bürger : ein deutsches Dichterleben / Roman von Otto Müller
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ddiggkeit aus ihr hervorſchlagen ſoll.

Du biſt ein kleiner Sonderling! verſetzte Bürger läch⸗

lend.Möchte nur einmal wiſſen, wie der Mann be⸗

ſchaffen ſeyn muß, den du ſo frugal heirathen willſt? Ein Dichter zum Wenigſten dürfte er nicht ſeyn, ant⸗

wortete Molly.Denn die ſind, wie ſigura zeigt, an ih

rem Hochzeitstag traurig, und Einer, wie ich geleſen, ließ ſich in ſeiner Sterbeſtunde einen Becher Wein bringen, und kränzte ſein Haupt mit Roſen.

O du weiſes Herz! ſeufzte Bürger und nach einer Pauſe fügte er hinzu:Doch wollen wir darum den Dich⸗ ter nicht ſo ſchnell verdammen, oder gar belächlen. In ſeinen trüben wie in ſeinen glücklichen Stunden wohnt ihm ja doch jener göttliche Geiſt inne, der ihm in Schmerz und Luſt, in Verlieren und Gewinnen die Kraft entzündet und den Muth, ſich freudig, mit klaren Augen dem reinen unendlichen Leben zuzuwenden, und ſich mit ſeiner Sehn⸗ ſucht in die goldne Welt der Schönheit und Ahnung zu verſenken. Es iſt ja der Dichter nicht allein, es iſt ja jedes edle Gemüth, dem der Schmerz das innere Auge verklärt, und ihn ſchauen und belauſchen läßt alle Wun⸗ der der Liebe in Gott, Natur und Menſchenherz, daß es ſich an der Todesfackel ſeines Glückes die Flamme einer neuen Hoffnung, einer anderen Begeiſterung entzünden

darf.

O ſtill' doch, ſtille! rief Molly bewegt und hielt ihm den Mund zu.Willſt du mich heute zum erſten Mal in meinem Leben tiefſinnig machen, und gerade heute, wo ich dir die Braut ſchmücken ſoll zu deinem ſchönſten Feſte? Und auch an dich hab' ich gedacht, und will dieſe beklommene Bruſt hinter Flitter und Blumen verbergen, daß es wie ein ganzer Frühling von Liebesluſt und Freu⸗