— 219—
ich mein Ideal klar vor mir, und ſchreite, mit der Pflicht als Freund, mit der Kunſt als Geliebten, und der Religion als Ziel, voll feierlicher und hochherziger Hoffnung vor⸗ wärts dem Tode entgegen! Auf den Wogen des ſtürmi⸗ ſchen Lebens mag ich ſteigen und fallen, mag hinabſinken in unermeßliche Abgründe und wieder emporgetragen werden himmelwärts;— dort oben ſchimmern die ewigen Sterne, unveränderlich und heiter, welch' eine trübe Wolke auch zu Zeiten zwiſchen mir und ihren Strahlen hindurchziehen mag. Der Weg iſt oft rauh, aber niemals unfruchtbar, mühſam, aber niemals finſter; es kann einem Leben und einer Welt, die nur Gedanken Gottes ſind, nicht an Reiz fehlen; kein Licht kann dem Pfade mangeln, welcher von dem Glanz des„ewigen Ja“ widerſtrahlt!
Vielleicht, o Leſer, werden wir einander nie von Ange⸗ ſicht zu Angeſicht ſehen; aber wenn Du Geduld gehabt haſt, mich bis hieher zu begleiten, ſo iſt ein geiſtiges Band zwiſchen uns geknüpft, und kraft dieſes zarten Mesmeris⸗ mus ſind wir uns nicht ganz fremd. Auf dieſen Seiten, welche Dein Auzge leſend berührte, ruhte das meine, um zu ſchreiben; jedenfalls hat das Gehirn, das Herz, dem jenes Auge als Fenſter dient, zuweilen dieſelben Gedanken gedacht und iſt von denſelben Empfindungen durchzittert worden. Ich habe viel zu ſagen— wenn ich es nur ſagen könnte.


