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Ich wende mich an Dich mit ebenſo vieler Achtung, als geringer ſklaviſcher Unterwürfigkeit,— Aber ach, ich kann Dein Bild nur ahnen, nicht Dich ſehen, und ich zögere zu ſagen, was ich ſagen könnte, ſagen würde als Epilog, als Erklärung oder als Bitte. Wenn man auf der Bühne ſteht— verſuchteſt Du es je lieber Leſer?— ſo iſt es nicht leicht, in„das Haus“ zu blicken oder einen Eindruck von dem Ausſehen oder der Meinung des Publikums zu gewinnen. Die Lichter flackern und blenden die ſchwachen und nervöſen Augen.
Und doch, ich will Dich einen Augenblick mir ſo denken, wie ich Dich wünſche, und ein kurzes Wort an Dich wagen. Dieſe meine Charaktere ſind reale Geſtalten, Weſen von Fleiſch und Blut, mit ſchlagendem Herzen, mit pochendem Hirn und ringender Seele. Ich habe Dinge geſchildert, welche ich wirklich kennen gelernt, Weſen gemalt, welche lebten und noch leben. Da aber jede Thatſache von einer gedanklichen Atmoſphäre umgeben iſt, ſo habe ich verſucht, die Proſa durch Poeſie abzurunden, den Thatſachen die Wahrheit hinzuzufügen, die„Wahrheit“ durch die„Dichtung“ zu veredeln. Unſre Zeit hat wenigſtens die Stufe der Entwickelung erreicht, wo von der dramatiſchen, wie von der erzählenden Kunſt Wahrheit gefordert wird; ich habe beſcheiden, aber furchtlos die Wahrheit zu erzählen geſucht,
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