Obwohl eine Geiſterſtimme immer in meinen Ohren klang und immerfort ihren melancholiſchen Refrain ſang: „dahin, dahin, für immer dahin!“ ſo malte ich Lily doch unaufhörlich in meinen Gedanken; ich ſah ſie in all' ihrer Schönheit, ihrer Reinheit und Güte, und fühlte auf's Tiefſte, welchen Preis ich verfehlt hatte. Mein ganzes Leben war wie ausgehöhlt, ſo wie ein Gewölbe ausgehöhlt iſt, um einen Schatz aufzunehmen, den es doch nicht zu eigenem Brauch empfängt. Es war eine Qual unſäglicher Angſt, an ihr Lächeln, ihre Blicke und Worte der Liebe zu denken, die ſie einem Andern ſchenkte; ſie zu malen als eines Andern Braut. In meiner Schwachheit ſehnte ich mich, o wie heiß! nach irgend Jemand, dem ich das Ge⸗ heimniß anvertrauen könnte, das mir zu ſchwer zu be⸗ wahren ward, nach irgend Jemand, der auf mich gehört hätte mit Blicken und Worten des Mitgefühls. Und dazu ging noch die Arbeit, die unerbittliche Plackerei des ge⸗ meinen Tagewerks immer ihren Gang, obwohl ſie mein Gefühl beleidigte, wie die Berührung einen bloßgelegten zitternden Nerv. Wenige Tage nach meiner Zurückkunft erſchien ein Brief von Fritz, voll von freundlichen Hoff⸗ nungen für meine Geſundheit. Er fragte, warum ich nicht geſchrieben hätte, und erzählte mir, wie beſorgt die Damen wären, Etwas über meine vermeintliche Krankheit zu hören.
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