Teil eines Werkes 
2. Th. (1860)
Entstehung
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Lily ſchien mir als eine Verkörperung der geiſtigen und ſinnlichen Holdſeligkeit erſchaffen zu ſein, von der mein Herz in ſeiner ſtummen Einſamkeit ſo lange geträumt hatte. Mir ſchien, als wäre mein Sonnet durch ein ſo melodiſches Echo erwiedert, daß ſeine Klage ſchwieg, ſo wie das Lied der Nachtigall verſtummt, wenn ſüßere Muſik ertönt. Ich wähnte in ihr das Weſen gefunden zu haben, erſchaffen, den Mangel meiner eignen Natur zu ergänzen, ja, daß meine ſchmachtende Idee ein Bild hervorgerufen habe, weit lieblicher als ſie ſelbſt. Wenn der Liebestraum in unſerm Herzen lange von dem blendenden Lichte der Phantaſie an⸗ geſtrahlt worden, ſo bekleiden wir das Weib, daß jenen Traum erfüllt, mit den Attributen des Ideals. Ich ſtand ſchweigend und ehrfurchtsvoll vor der Göttin, um die ich ſo lange gefleht, ſtand bei Seit' und lauſchte zärtlich zu ihr empor

Mit des Indiers ſtummer Chrfurcht, Die er einem Sterne zollt.

Dazu war dieſe Zeit gänzlich von meinem gewöhnlichen Lebenslauf abgelöſt und hatte ſomit etwas Unwirkliches Phantaſtiſches an ſich. Der Aufenthalt in Seanook hatte für mich die ganze Seltſamkeit eines ungewöhnlichen Feſt⸗ tags. Wäre ich Lily zufällig wieder in London inmitten der harten Wirklichkeit meiner alltäglichen Arbeitscarridre