Teil eines Werkes 
1. Th. (1860)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

ſchien es, nicht klarer, und war nicht aufmerkſamer als ich. Niemals fiel es mir auch nur ein, ihm mein Gefühl zu offenbaren, oder mein ſcheues und ſchweigendes Herz vor ihm bloßzulegen. Blind, blind, blind!

Andere Abende in der Roſe⸗Cottage, andere Morgen an dem widerhallenden Strand folgten denen, die ich beſchrieben habe. Der fleißige Verkehr miteinander ward uns Allen natürlich. Die Nachbarſchaft, die engen Grenzen des ab⸗ geſchloſſenen kleinen Badeortes und eine geheime Anziehungs⸗ kraft führten uns beſtändig wieder zuſammen, ohne Mühe, ohne beſtimmten Zweck oder bewußte Abſicht. Es wurde uns natürlich, einander zu treffen, es war uns das An⸗ genehmſte, zuſammenzuſein. Eine gewiſſe Vertraulichkeit entwickelte ſich, wie es ſchien, zwanglos, leicht und raſch. Nach kurzer Zeit ſchien Lily Fritz halb zu vermeiden, und ich bemerkte oft d. h. ich bemerkte das Reſultat, denn die Mittel, wodurch Frauen dergleichen zu Stande bringen, ſind zu fein für unſre gröbre Beobachtung, daß Lily es vorzuziehen ſchien, neben mir zu ſitzen, oder mit mir zu gehen, und daß ſie Fritz inehr zuhörte, als mit ihm ſprach. Sie ſchien ſtiller und zurückhaltender, gedankenvoller und zerſtreut zu werden. Noch immer grübelte ich nicht darüber. Das Vergnügen ihrer Gegenwart, das Entzücken, mit dem ich ſah, daß ſie ſich offen, wenn auch oft mit erröthender

Die drei Pfade. I. 13