Teil eines Werkes 
1. Th. (1860)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

189

höhlte Kanäle einlenkten, hatten mich verſchwiegen und eiferſüchtig auf die Augen Anderer hinſichtlich meiner innigſten Gefühle gemacht, ſo daß ich die Bewegungen, die mich am tiefſten erregten, ſorgfältig verbarg. Im Geſchäft, im Handel iſt es meiner Erfahrung nach durchaus nothwendig, das Daſein jeder höhern Tendenz, jedes edlern Strebens zu verheimlichen. Neben der Nothwendigkeit iſt aber auch der inſtinctive Wunſch vorhanden, es zu thun; denn wer möchte wohl vor den natürlichen Kindern des Schachers jene inneren Impulſe bloßlegen, welche den Geiſt mit dem Erhabenen und dem Genius verknüpfen, jene Gedanken, welche die Seele mit ihrem Schöpfer verbinden? Wir haben die höchſte Befugniß, keine Perlen vor jene Krea⸗ turen zu werfen, welche ſich zur Vergeltung gegen uns wenden und uns zerreißen; und Verſchwiegenheit iſt unter ſolchen Umſtänden nur der unbewußte Inſtinkt des Geiſtes.

Aber der lange fortgeſetzte Kampf zwiſchen der innern Natur und den Lebensformen, die ſie umgeben, wirkt doch verletzend auf das tiefſte Leben in uns. Die dauernde Unterdrückung deſſen, was wir Reinſtes und Beſtes in uns haben, erzeugt eine Art von Heuchelei, die, wenn ſie auch nicht aus niederen Motiven entſteht, dennoch viel Unheil und Uebel hervorbringt. Der Finger brennt uns, mögen wir ihn abſichtlich oder zufällig in's Licht ſtecken. Das