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müßte? Konnte ich nicht etwas thun, das mich ihrer würdig machte? Die Literatur ſchließt nicht das ehrgeizige Streben der Armuth aus, und hat die Schönheit nicht oft dem Sange gelächelt? Wir träumen in ſolchen Stunden von anderm Reichthum, als dem des Geldes; wir ſinnen andern Dingen nach, als weltlichem Rang und Erfolg.
Ich fühlte, oder glaubte wenigſtens, einen Strahl der Begeiſterung durch die Gluth der Romantik hindurchzu⸗ fühlen, und ſtellte mir vor—„Narr, wieder dieſer Traum, dieſe Einbildung!“— daß ich noch einen Kranz zu ihren Füßen legen könnte, den ich bei dem Turnier der Intelligenz und der Phantaſie errungen. Sind wir nicht Mönche vom Orden der Santa Terra, wir, die wir uns ſelbſt das Ge⸗ lübde des unfruchtbaren Cölibats auferlegen, aus Furcht vor Armuth, aus Unterwürfigkeit und Gehorſam gegen die unreinen Sympathien der ſocialen Lügen? Sind unſre Befürchtungen nicht Feigheit, iſt unſer Mißtrauen nicht Ver⸗ rath gegen die wohlthätige Macht, welche dem Menſchen die Liebe als ihren göttlichſten Segen giebt? Iſt es nicht ein phantaſtiſches und überſpanntes Ehrgefühl, daß wir davor zurückbeben, die Liebe der trüben, ſchaurigen Armuth zu vermählen? Zögerten wir nicht aus bloßer feiger Gewiſſen⸗ haftigkeit, welche zu ängſtlich über die Folgen grübelte, dem
natürlichen Inſtinkte des Herzens zu gehorchen und den Die drei Pfade. I. 12


