und nie, wenn wir einmal wahrhaft geliebt haben, ſind wir mehr dieſelben, die wir geweſen ſein würden ohne dieſe zarte, edle Anlage zum tiefſten und reinſten Gefühl. Manch ein Menſch, deſſen Daſein eine einzige hoffnungsloſe Leiden⸗ ſchaft enthielt, erlebt ein hohes Alter und ſtirbt als ein träumender Idealiſt.— Zärtlich und thränenvoll wachte im Alter die Geliebte ſeiner Jugend an dem Lager, auf dem Capitain Thomas Newcome ſein letztes adsum ſprach; wachte mit inniger Fürſorge ſie, die von ſeinem Leben durch die der Ehre unüberſteigliche Schranke einer Verbindung mit einem Andern getrennt blieb, mochte dieſe Verbindung auch das lebenslange Elend einer verabſcheuten und liebe⸗ loſen Ehe ſein.— Auch Schiller erzählt von zwei Brüdern*), welche beide daſſelbe Mädchen liebten. Der jüngere gewann ſie und vermählte ſich mit ihr. Sie ſtarb und er nahm eine andere Frau. Aber er, der ältere Bruder, deſſen tief innige Liebe keine Gegenliebe kannte, er heirathete nie und ſtarb mit jenem erſten Bild im Herzen, das ſich ihm ein⸗ gegraben, und der lange Roman eines einſamen Herzens endete nur mit dem Leben ſelbſt. Kann es wohl ſein, daß der Beſitz das Ideal zum Erdenkind erniedrigt? Sollen wir glauben, daß nur unſer geiſtiges Weſen das reine.
*.)„Eine großmüthige Handlung aus der neueſten Geſchichte.“ 10*


