Teil eines Werkes 
1. Th. (1860)
Entstehung
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Heuchelei. Wie iſt doch der deutſche Name für eine Frau dieſer Art, Grey?“

„Eine Anempfinderin,“ entgegnete ich,„es iſt ein ſehr bezeichnendes Wort. Göthe bildete es, und wandte es zuerſt im„Wilhelm Meiſter“ an. Aber Fritz, kannſt Du, wenn wir von geiſtigen Sympathien bei den Frauen ſprechen, das höchſte Ideal der Weiblichkeit vergeſſen, wie eine edle und begabte Frau es eutwickelt? Ich meine Miß Charlotte Bronté.*) Ihre Heldinnen denken und reden mit der Stimme der beſten Frauen, die durch lange Epochen des Fortſchritts heranreiften und zur herrlichen Frucht unfrer Zeit, der vollkommenſten an Civiliſation und Welt⸗ verbeſſerung, heranblühten. Verlaß Dich darauf, es lebt

*) Emigravit. Currer Bell allerdings lebt; aber Mrs. Robert Nicol exiſtirt nicht mehr auf Erden. Schade, daß dieſe junge, originelle, friſche, lebendige und ſo reich begabte Schriftſtellerin uns verlaſſen mußte, ehe ſie uns die vollſtändig gezeitigte Frucht ihres Denkens gab, ehe ſie durch die Literatur jenes Ziel erreichte, zu dem die Literatur ſich nur wie ein Mittel zum Zweck verhält. Dank, tiefen Dank der Mrs. Gaskell für ihre ſchönen Erinne⸗ rungsblätter an jenes edle Leben. Der ſympathetiſche Genius einer talentvollen Schweſter hatte eine ſchöne und würdige Auf⸗ gabe zu vollbringen. Wer war geſchickter das Leben zu beſchreiben, welches Jane Eyre, Caroline Helſtone und Lucy Snowe das Da⸗ ſein gab, als die Schöpferin der Mary Barton, Ruth Hilton und Margarete Hale?