Sechztes Ttanitel. 2⁵⁵
— Todt!— wiederholte ich, waͤhrend mein Geiſt ſich nur auf Einen Gegenſtand richtete, dem dieſes Wort gelten konnte.— Unmoͤglich! Wer ſagt Ihnen denn das? Wen meinen Sie denn?—
«Wie ich Ihnen ſage. Er iſt todt.»
Ihr kalter, untheilnehmender Blick und die orakel⸗ hafte Art, womit ſie dieſe Worte ausſprach, waren peinlich erſchuͤtternd. Ich konnte es nicht ertragen mit dieſer ſeltſamen Miſchung von Verſtand und Toll⸗ heit laͤnger zu ſprechen, und eilte dem Gartenhauſe zu, um dort die unmittelbare Beſtaͤtigung oder Ent⸗ fernung meiner Furcht zu erhalten. Als ich dem ver⸗ haßten Aufenthalte naͤher kam, ſtand ich einen Augen⸗ blick ſtill, da ich mehrere Stimmen aus demſelben ertoͤ⸗ nen hoͤrte, und bald unterſchied ich deutlich die Stimme des Doktors und der Haushaͤlterin in folgendem Ge⸗ ſpraͤche:
«Sey nur ruhig, liebe Jacqueline!» ſagte er. «Was kann denn nun jetzt alles das helfen? Kann es ihn denn wieder in's Leben bringen?“
— Nein, nein, das kann es leider nicht! Meine ganze Seelenangſt hilft jetzt zu nichts mehr, ich weiß es wol. Seine ſchoͤnen Augen werden ſich nie wie⸗ der aufthun, ſeine kraͤftige Geſtalt iſt kalt wie der Tod! Aber wer iſt daran Schuld? Bin ich's denn etwa nicht? Lockte ich ihn nicht zuruͤck? Hab' ich nicht vor Gott und Menſchen falſch geſchworen?


