281
Indeß Jacqueline von ungeſtuͤmer Verachtung getrieben weit mehr ſagte, als ſie in beſonnenerm Zorne gethan haben wuͤrde, fuͤhlte ſich Vrank in demſelben zarten Punkte verletzt, worin er ſie ſo tief verwundet hatte. Ihre bittern Vorwuͤrfe kraͤnk⸗ ten ſeinen Stolz, der ſich, wie ein verwundetes Wild, gegen ſeinen Angreifer wandte; und er fragte ſich ſelbſt: Iſt das Unſchuld? Iſt es nicht vielmehr der prahleriſche Ton bewußter Schuld? Allein ſein gewoͤhnlicher Scharfblick wurde verdunkelt durch ſein gereiztes Selbſtgefuͤhl, und er bedachte nicht, daß Symptome, die an einer gewoͤhnlichen Perſon ſeine Schluͤſſe gerechtfertigt haben wuͤrden, dies nicht erlaubten, bei dem Zorn in einer hoͤhern Stellung, wenn er durch Beſchuldigung uͤber ſeine Grenze gefuͤhrt wird, und die Vertheidigung verſchmaͤht.
— Madame— ſagte Vrank mit aller Ruhe, die er gewinnen konnte,— ich brauche vor dieſen ſchimpflichen Beinamen nicht zu erſchrecken; ein rei⸗ nes Bewußtſeyn kann auch ſchlimmeren Anklagen Trotz bieten, wie es denn jetzt das meine thut.—
„Eine hohe Seele verſchmaͤht die Widerlegung niederer Beſchuldigungen, wie es die meine thut; das koͤnnt Ihr Eurem thranniſchen Herrn ſagen, auf deſſen Befehl Ihr mir dieſen Schimpf angethan habt.“


