292 den Schatten des Altars verdeckt, trat Jacqueline leiſe hervor, und rief mit einer ſo zitternden Stimme, als kaͤme ſie aus dem Innern des Tabernakels:
„Es ſteht geſchrieben: Du ſollſt keinen Mord begehen!“
Erſchreckt ſowohl durch den Ton ihrer eigenen Stimme in ſolch' einer Lage, als durch das dem Wahnſinn gleichende Erbeben des jungen Mannes, der augenblicklich an den Stufen des Altars auf ſeine Kniee niederſank, und als haͤtte ſie durch ihre Worte das goͤttliche Gebot, das ſie ausſprach, ſelbſt verletzt, fuͤhlte ſich Jacqueline einen Augenblick wie Eine, die zwiſchen Leben und Tod ſchwebt. Allein der Juͤngling erhob ſich ſchnell wieder auf ſeine Kniee, und ergoß ſich mit erhobenen Haͤnden in ein
feuriges Gebet. Als ſie dies bemerkte, begab ſie ſich ſchnell wieder hinter den Vorhang, nahm ihre fruͤhere Stellung dicht bei der Thuͤr wieder ein, hob den Mantel auf, huͤllte ſich darein, und da ſie des zurüͤckkehrenden Giles Poſtels Tritt auf der Treppe toͤnen hoͤrte, eilte ſie in den Gang zuruͤck, entſchloſſen, ihren erſten Plan ſogleich zur Ausfuͤh⸗ rung zu bringen. Jacqueline hegte zwar keine per⸗ ſoͤnliche Furcht, mit dieſem Manne zuſammen zu treffen, indeſſen ſchauderte ſie doch, als ſie beim
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