296 Paͤchter Martin.
die morgende Sonne auch mir noch ſcheinen? oder iſt vielleicht der heutige Sonnenuntergang der letzte, den mein Auge ſieht? Oder der Herbſt nahet; und der Sturm, der den Baum entblaͤt⸗ tert, beſtuͤrmt ſeine Seele mit dem Gedanken an ſeine eigne Hinfaͤlligkeit und Vergaͤnglichkeit. Trauernd verweilt er bey der Frage: Wenn der wiederkehrende Fruͤhling neues Leben verbreitet, wirſt auch du dieſes Lebens dich noch freuen koͤn⸗ nen? oder biſt du dann ſchon ins Grab geſun⸗ ken; abgebluͤht, um nie wieder aufzubluͤhen? Er hat treue Freunde, mit welchen er Gedanken und Empfindungen wechſelt, in deren Geſellſchaft er jede Freude, jedes Gluͤck, das ihm zu Theil wird, zwiefach genießt, weil er auf ihre Theilnahme rechnen kann, und wuͤnſcht dann natuͤrlich, mit ihnen Hand in Hand und unzertrennlich den Weg durchs Erdenleben zu gehen; aber wie bald wird ihm vielleicht der liebſte Gefaͤhrte von der Seite geriſſen? Er iſt gluͤcklicher Gatte und ſieht dar⸗ um mit dem ſchmerzlichſten Gefuͤhle dem furcht⸗ baren Feinde entgegen, der das Band ehelicher Liebe auf immer zu trennen droht. Er iſt zaͤrt⸗


