Zweyter Theil. 293
dieſe Grundſtuͤtzen untergraͤbt, oder auch nur nicht, ſo viel er kann, ihre Untergrabung von Andern verhindert! Und ſollten nicht die Geſetze denen vorzuͤglich heilig ſeyn, welchen die Regie⸗ rung des Staats und die Sorge fuͤr Aufrechthal⸗ tung der Geſetze uͤbertragen iſt?
Du ſollſt und darfſt aber auch, als moraliſch guter und gerechter Mann, dem Staate nicht durch Verletzung deiner Pflichten, durch Be⸗ gehung einer Ungerechtigkeit nuͤtzen. Der Satz: Der gute Zweck heiligt die auch an ſich unerlaub⸗ ten Mittel; iſt ein ſehr unrichtiger Satz, kann zur Begehung der abſcheulichſten Ungerechtigkeiten verleiten, kann einem Ravaillac den Dolch in die Hand geben, um einen Heinrich IV. zu morden, in der vermeinten edlen Abſicht, Gott und der Religion dadurch einen Dienſt zu leiſten.*)
„Man darf nichts Boͤſes thun, daß Gutes daraus entſtehe!“ ſagt der Lehrer der Chriſten. Und auf den Bericht des Ariſtides von dem ihm entdeckten Plane des Themiſtokles: daß
*) Auch Guſtaos Moͤrder glaubte ſeine ab⸗ ſcheuliche That damit zu rechtfertigen.


