Teil eines Werkes 
15. Bd. (1816)
Entstehung
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26 Paͤchter Martin.

Erſt dreyßig Jahre alt hatte ich nun ſchon alles, ſelbſt die Hoffnung aufgegeben, und ich genoß dabey eine Art von Ruhe, denn ich hatte ja nichts mehr zu verlieren als ein Leben, das mir ſpottwohlfeil war. Warum durfte ich nicht mit dieſer Ruhe oder doch Gleichguͤltigkeit, ohne Freude, aber auch ohne uͤberwiegenden Schmerz, zum Grabe ſchleichen?

Ein neuer ſchoͤner Weg eroͤffnete ſich mir, er fuͤhrte zu Amt und Ehre, zu Hymens Altare, und verlor ſich im Kerker!

Der Erbprinz ſollte die italieniſche Sprache lernen: ich erhielt dieſe, bald nachher, da man merkte, daß ich doch noch etwas mehr als die italieniſche Grammatik verſtaͤnde, verſchiedene andere Lehrſtunden, und in kurzer Zeit, als unerwartete und in Wahrheit ungeſuchte Zu⸗ gabe, die Liebe eines Prinzen, welcher ſelbſt, auch ohne Ruͤckſicht auf den Fuͤrſtenſohn, Liebe verdiente. Etwas uͤber zwey Jahre war ich ſein Lehrer und taͤglicher Geſellſchafter geweſen, und hatte nun, da er auf Reiſen ging, die Wahl, ob ich ihn, wie er es wuͤnſchte, begleiten, oder mit einem, freylich ſehr maͤßigen, Gehalte