20 Paͤchter Martin.
Agathon leſen muß, oder die lebendige Sprache der Natur, aus welcher der Verfaſſer des Aga⸗
Traurigkeit machen die Seele nach und nach ſchlaff, und eroͤffnen ſie allen weichen und zaͤrtlichen Re⸗ gungen.“ Dieſer Satz iſt ſo wahr, daß tauſend
Liebesverbindungen in der Welt keinen andern Ur⸗
ſprung haben. Ein Liebhaber verliert einen Ge⸗
genſtand, den er anbetet. Er ergießt ſeine Kla⸗
gen in den Buſen einer Freundin, fuͤr deren Reitzungen er bisher vollkommen gleichguͤltig ge⸗ weſen war. Sie bedauert ihn. Er findet ſich dadurch erleichtert, daß er frey und ungehindert klagen kann. Die Schoͤne iſt erfreut, daß ſie Ge⸗
legenheit hat, ihr gutes Herz zu zeigen. Ihr
Mitleid ruͤhrt ihn, erregt ſeine Aufmerkſamkeit. So bald eine Frauensperſon zu intereſſieren an⸗ faͤngt, ſo bald entdeckt man Reitzungen an ihr. Die Lagen, worin jetzt beide ſich beſinden, ſind der Liebe guͤnſtig; ſie verſchoͤnern die Freundin, und blenden die Augen des Freundes. Ueberdieß ſucht der Schmerz natuͤrlicher Weiſe Zerſtreuung, und iſt geneigt ſich an alles zu hangen, was ihm Troſt und Linderung verſpricht. Eine dunkle Ahndung neuer Vergnuͤgungen, der Anblick des Gegenſtandes der ſolche geben kann, die guͤnſtige Gemuͤthsſtellung, worin man denſelben ſieht, auf


