Zweyter Theil. 21
thons uns ſo manche getreue Ueberſetzung lieferte, ſelbſt ein wenig verſteht, der wird es ſehr be⸗ greiflich finden: daß meine ſanfte theilnehmende, troͤſten de Freundin mir in kurzer Zeit mehr als Freundin werden, und daß ein Herz, das ſo ungluͤcklich geliebt hatte, ſich zum zweyten Male ſo leicht, ſo ſchnell der Liebe oͤffnen konnte.
Meine neue Liebe gab mir neuen Muth zu leben; bey der wieder auflebenden Ueberzeugung, daß es mir nicht an Kenntniſſen und Kraͤften fehle, der Geſellſchaft zu nuͤtzen, bey dem feſten Entſchluſſe, ihr redlich nuͤtzen zu wollen, hoffte ich jetzt mehr als jemals eine Stelle zu finden,
der einen— die Eitelkeit, dieſe große Triebfeder des weiblichen Herzens, das Vergnuͤgen, uͤber eine Nebenbuhlerin zu ſiegen, indem man liebens⸗ wuͤrdig genug iſt, ihren Verluſt zu erſetzen, die
Begierde ſelbſt ihr Andenken auszuloͤſchen, viel⸗
leicht auch die Gutartigkeit der menſchlichen Natur und das Vergnuͤgen gluͤcklich zu machen, auf der andern Seite: wie viel Umſtaͤnde, welche ſich vereinigen, unvermerkt den Freund in einen Lieb⸗ haber, und die Vertraute in die Hauptperſon eines neuen Romans zu verwandeln!


