Zweyter Theil. 19
ihm rathe, daß er fuͤr ihn denke; und wurde von dem biedern Manne bruͤderlich aufgenommen. Er war mir hier, was mir mein Gex in meiner Vaterſtadt geweſen war, und gewiſſermaßen noch mehr, weil er mir in ſeiner Schweſter eine Freundin gab, deren ſanfterer Troſt dem Ungluͤck⸗ lichen naͤher an's Herz drang. Im ſchimmern⸗ den Glanze meiner erſten Liebe hatte ich zeither ein Maͤdchen ganz uͤberſehen, deſſen ungeſchminkte Herzensguͤte mir jetzt ſo wohl that— nur allzu wohl that. Gute Wilhelmine, haͤtte ich dich immer uͤberſehen! Keine ungluͤckliche Liebe wuͤrde dich dann in mein trauriges Verhaͤngniß gezogen haben.— Wie ſehr verdienteſt du ein beſſeres
Loos!—
Ich ſchreibe keinen Roman; und es iſt nicht meine Schuld, wenn die leider! nur allzu wahre Geſchichte meines Lebens in einigen Zuͤgen einem Romane aͤhnlicht. Beſſer fuͤr mich, wenn ſie dieſe Aehnlichkeit nicht haͤtte! Wer indeß ſeinen Agathon*) ſo geleſen hat, wie man einen
*) Hierher gehoͤrt vorzuͤglich die Stelle im zten Kapitel des zweyten Theils:„Schwermuth und


