Zweyter Theil. 15
dem Tode ihrer Mutter, auf's Land gekommen. Eine Tante hatte ſie in der Stadt erzogen, und ihrer aͤußern Schoͤnheit durch die vortheilhafteſte Geiſtesbildung hoͤhern Reitz gegeben. So viel Reitz und mir ſo nahe, wie haͤtte ich ihm wider⸗ ſtehen koͤnnen? Und warum haͤtte ich ihm wider⸗ ſtehen ſollen? War nicht alles meinen Wuͤnſchen guͤnſtig? Schien es nicht, mit den Romanen⸗ ſchreibern zu reden, als haͤtte ſie mir das Schick⸗ ſal ſelbſt zugefuͤhrt, da ich ſie ſo unverhofft, zu ſo ſchicklicher Zeit, unter ſo einladenden Umſtaͤn⸗
den finden mußte? Nun ja! das Schickſal hatte
ſie mir muͤtterlich, wie es immer fuͤr mich ſorgte, zugefuͤhrt! Ich liebte und wurde geliebt; der Vater, wie es ſich unter den Umſtaͤnden leicht denken laͤßt, billigte unſere Liebe, legte den Murr⸗ ſinn, womit er dem Fremden, der ſich in ſein Amt eindraͤngen wollte, begegnet hatte, ab, uͤberließ gern dem kuͤnftigen Schwiegerſohne ſeine Arbeit; und wir erwarteten nur die Ankunft des Grafen, um ſo gluͤcklich zu werden, als es Sterb⸗ liche ſeyn koͤnnen.
Es verging indeſſen ein volles Jahr; noch ſchwelgte der Graf in Italien, und nahm ein


