5 Paͤchter Martin.
bezeichnen ſollte. Kaum konnte der Knabe Va⸗ ter lallen, ſo wurde ihm dieſer Vater ſchon durch den Tod entriſſen!—
Meine Mutter umſaßte nun mit ihrer ganzen ungetheilten Liebe ihr einziges Kind. Alle auch noch ſo vortheilhafte Antraͤge zu einer zweyten Heirath ſchlug ſie aus, um ganz fuͤr mich zu leben— und lebte acht Jahr fuͤr mich; da mußte auch ſie, die mir taͤglich und ſtuͤndlich Beweiſe ihrer zaͤrtlichſten Mutterliebe gegeben hatte, von mir ſcheiden, da ward ich vater und mutterloſe Waiſe!—
Der Bruder dieſer guten Mutter nahm ſich als Vormund des verlaſſenen Waiſen an. Ein biedrer Menn; allein wie konnte er mir meine Aeltern, wie ihre Liebe, wie beſonders die Liebe der ſanfteſten, zaͤrtlichſten Mutter erſetzen? Er ſorgte fuͤr meine Erziehung, unterrichtete mich ſelbſt— er war Prediger und, wie man ſagte, ein ſehr gelehrter Mann!— und ließ mich durch andere unterrichten: doch das alles mehr aus kal⸗ ter Pflicht als aus Liebe. Ich wollte, weil es meine Mutter g-wollt hatte, ſtudieren; und nun trieb mich mein Vormund ungeſtuͤm zum Fleiße
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