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Zweyter Theil. 5
gepreßten Herzen Luft zu machen. Indeſſen, wer weiß, ob euch meine Geſchichte nicht lehr⸗ reich, wohl gar troſtvoll iſt! Man ſagt ja, es waͤre Troſt fuͤr Ungluͤckliche, noch Ungluͤcklichere neben ſich zu ſehen. Den elenden Troſt kann ich euch geben.
8 Drey Jahre waren meine Aeltern ſchon ver⸗ heirathet, und noch war ihr ſehnlichſter Wunſch nach Vater⸗ und Mutterfreuden nicht erfuͤllt. Man kann denken, daß ich, ihr Erſtgebor⸗ ner, deſto freudiger bewillkommt wurde. Die Natur hatte mir ein ziemlich autes Empfehlungs⸗ ſchreiben mitgegeben, und mein Vater konnte einſt dieſem Empfehlungsſchreiben durch das große Gewicht, wornach auf unſrer beſten Welt alles abgewogen wird, Nachdruck geben— er war einer der reichſten Maͤnner meiner Vaterſtadt. Welche ſchoͤne Ausſicht in eine gluͤckliche Zu⸗ kunft! Aber fruͤh genug wurde mir die Ausſicht getruͤbt, fruͤh genug wurde ich in Trauergewand gekleidet, in die Farbe, die mein kuͤnftiges Leben


