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Er mochte ungefaͤhr ſechs Jahr alt ſeyn, als er, dem die Natur eine gute Stimme und ein feines Gehoͤr fuͤr den Geſang verſagt hat, das Lied: Bluͤhe, liebes Veilchen, das er oft gehoͤrt hatte, zum Erbarmen ſang. Eine Bekannte wollte es ihn richtig ſingen lehren; er weigerte ſich mit den Worten: Ich ſinge fuͤr mich und nicht fuͤr Euch.
Eine kleine allerliebſte Saͤngerin mußte bald nachher uns Aeltern in ſeiner Gegenwart etwas vorſingen, und, nach andern Liederchen, auch das, was Guſtav fuͤr ſich geſungen hatte. Wir liebkoſeten das Kind und lobten die Mut⸗ ter, welche ſie das Singen gelehrt hatte. Es dauerte nicht lange, ſo erſchien mein Guſtav. Mutter, ſagte er, lehre mich auch das Lied: Bluͤhe, liebes Veilchen, ſo ſchoͤn ſingen, als es das Maͤdchen geſungen hat.—
Aber, lieber Sohn, du haſt keine ſo ſchoͤne Stimme.„1
Thraͤnen traten ihm in die Augen.
Wenn du dir Muͤhe geben willſt, ſo kann ich dich lehren, das Lied richtig zu fingen. Die richtige Melodie kannſt du wol durch Fleiß


