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halten koͤnnen; denn er ſaß zuweilen lange und beſann ſich, ob er z. B. die Suppe eſſen wollte, oder nicht. Er beſann ſich aber blos deswegen, weil ihm die Suppe von andern vorgeſetzt wurde. Nun kam es darauf an zu entdecken, durch welche andere Eigenſchaften des Knaben jene unſchaͤdlich gemacht werden koͤnnten. Ich war froh, als ich fand, mein Guſtav habe Ehrbegierde und eine große Zaͤrt⸗ lichkeit gegen ſeine juͤngern Geſchwiſter zum Erbtheil von der Natur erhalten; und daß er, bei Gegenſtaͤnden des Mitleidens, bis zu Thraͤnen geruͤhrt werden konnte.
Als ich uͤber den Charakter des Knaben mit mir einig war, ſuchte ich uͤber mich ſelbſt unablaͤſſig zu wachen, ihm nicht zu verrathen, daß ich meinen Willen haben wollte. Unbe⸗ ſchreibliche Sorgfalt hat es mich gekoſtet, alles zu entfernen, was ſeinen Eigenwillen in einem hohen Grade haͤtte reitzen koͤnnen; unbeſchreib⸗ liche Anſtrengung, Geduld und Selbſtbeherr⸗ ſchung, ihn weder Zorn noch Abneigung em⸗ pfinden zu laſſen. Auch mußte ich mich ſehr huͤten, ſeine Geſchwiſter wegen irgend eines


