Teil eines Werkes 
11. Bd. (1816)
Entstehung
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reichlich genießen; damit er nicht Furcht, Miß⸗ trauen, Entfernung finde, wo er Achtung, Zutrauen, Liebe ſucht; damit er nicht nieder⸗ gebeugt werde durch ſich ſelbſt, wo Andere, ohne Erniedrigung, ſich zu erheben wiſſen; damit er nicht, gewiſſen Thieren gleich, mit dem Kopfe wider die Wand renne.

Ich war von jeher uͤberzeugt, was ohnehin jedes Mutterherz ſo gern glaubt kein Kind ſei boͤſe von Natur. Zwar ver⸗ nimmſt du da wieder nichts Neues von mir; aber vielleicht gefallen dir doch die Regeln, welche ich von dieſem Gemeinplatz mit mir nahm, und die Folgen, welche ſie bei meinem Guſtav gehabt haben.

Mehrere Muͤtter behandeln ihre Kinder oft darum falſch, weil ſie ſolche manchmal fuͤr boshaft halten und daruͤber aufgebracht werden; das darf aber nicht ſeyn. In den erſten drei Jahren muß ſie es blos mit Liebe zur Liebe erziehen. Ich verwerfe daher alle Strafen bis zu dem Zeitpunkte, da ich ſeine Liebe in einem hoͤheren Grade gewonnen habe, als alle uͤbrige Perſonen, die es umgeben: