Teil eines Werkes 
11. Bd. (1816)
Entstehung
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nachdachte, kam es mir vor, daß es gar leicht ſey, ein Kind zu ziehen, wie man es haben wolle, nach willkuͤhrlichen Abſichten; auch, in dem Kinde uns ſelbſt zu erziehen, oder es ſo zu machen, wie wir ſelbſt ſind, nach eigenſinnigen Abſichten; daß es aber eben ſo ſchwer als nothwendig ſey, die Anla⸗ gen und Kraͤfte des Kindes zu wecken und zu hoͤheren Zwecken zu leiten.. Jetzt entſtand die Frage: welches iſt uͤber⸗ haupt der hohe Zweck der Erziehung? Eigenes Nachdenken und verſtaͤndige Menſchen konn⸗ ten mir keinen beſſeren angeben, als das Kind zum Menſchen zu bilden. Ich weiß wohl, ich ſchreibe dir hier nichts neues: doch ſcheint es mir, daß man in neuerer Zeit die Sache gewoͤhnlich zu einſeitig nehme. Meiner Einſicht nach ſollte dafuͤr geſorgt wer⸗ den, daß der Menſch nicht allein originell bleibe, ſelbſtſtaͤndig werde, ſich frei aͤußere, fuͤhle und genieße: ſondern daß er auch koͤnne tragen, dulden, leiden und ſich fuͤgen; damit er nicht durch ſeine eigene Bildung genoͤthiget werde zu darben, wo Andere, in aller Unſchuld,