Teil eines Werkes 
9. Bd. (1815)
Entstehung
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Geſichts moraliſch iſt oder auf das Nicht⸗Mora⸗

liſche gerichtet. Ein Frauenzimmer wird, in

Anſehung der Annehmlichkeiten von der letz⸗

tern Art, huͤbſch genannt. Ein proportionirli⸗

cher Bau, regelmaͤßige Zuͤge, Farben von Auge und Geſicht, die zierlich abſtechen lauter Schoͤnheiten, die auch an einem Blumenſtrauße gefallen und einen kalten Beyfall erwerben. Das Geſtcht ſelber ſagt nichts, ob es gleich huͤbſch iſt, und redet nicht zum Herzen. Was den Ausdruck der Zuͤge, der Augen und der Mienen anlangt, der moraliſch iſt: ſo geht er entweder auf das Gefuͤhl des Erhabenen,

oder des Schoͤnen. Ein Frauenzimmer, an

welchem die Annehmlichkeiten, die ihrem Ge⸗ ſchlecht geziemen, vornehmlich den moraliſchen Ausdruck des Erhabenen hervorſtechen laſſen, heißt ſchoͤn im eigentlichen Verſtande; dieje⸗ nige, deren moraliſche Zeichnung, ſo fern ſie in den Mienen oder Geſichtszuͤgen ſich kennbar macht, die Eigenſchaften des Schoͤnen ankuͤn⸗ digt, iſt annehmlich, und wenn ſie es in ei⸗ nem hoͤhern Grade iſt, reizend. Die erſtere laͤßt unter einer Miene von Gelaſſenheit und einem