10⁰6—
Zeuge war allein die plaͤtſchernde Nalade, Und der Weſtwind, der auf Roſen ſchlief, Ob auf dieſem wildverſchlungnen Pfade 1 Lauren nie des Mitleids Stimme rief. 1 Dieſe*) duͤſtern, duftenden Violen Haben ihre Seufzer weggeſtohlen; Philomele, die ihr klagen hort, Singt, was Laura liebend ſie gelehrt.
Wie am Fels, bedeckt von wilden Reben,
Laurens und Petrarchens Namenszug Dicht und dichter ſich zuſammen weben! Zeit! Zerſtoͤrerin! Dein Donnerflug, 1 Mindert nicht die Kraft von dieſem Bilde! 3 Mit der Fruͤhlingsluͤfte ſanfter Milde Saugt man noch der Liebe Seufzer ein,—
Hier verhaucht, am traufelnden Geſtein!
Singen ſollte dich, Vaucluͤſens Quelle, Die hier Laurens Odem in ſich ſog? 6 O, verſpart fuͤr dieſe Zauberſtelle 6 Ward dies Herz, das ſich der Lieb entzog! Lieben will ich, Amorn Kraͤnze winden!— Aber wo Petrarchens Treue finden?. 1 Hat nur jene Welt der Treue Gluck, Dann, o Liebe, nimm ſein Bild zuruͤck!—
(Beyde Gedichte von der aus dem erſten Jahrg. d. J. ruhmlich bekannten„Unbekannten.“)
*) Soupir etouffé genannt.


