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zu Dienerinnen ihres ſo lang vergeſſenen Altars zu weihen ſeien. Leucippe ſollte die Erſte derſelben werden, doch ſie entzog ſich; der Dienſt der Goͤttin, hei⸗ liger als ihn Menſchen erdachten, lebte in ihrem Herzen. Der Tag der großen Rathfragung erſchien, man machte ſich auf den Weg. Ein langes pomphaftes Gefolge begleitete den Koͤnig. Oef⸗ ters fragte er, wenn man den Tempel ins Ge⸗ ſicht bekommen wuͤrde, und uͤberraſcht, ein wenig betroffen war er uͤber das unanſehnliche, prachtloſe Gebaͤude, das beim letzten Schritt aus den Schatten des Waldes erſt zum Vorſchein kam. Man betrat die heiligen Stufen. Auf die Glaͤtte und Ungangbarkeit des geweihten Bodens war man ſchon gefaßt; auf was ſollten Hofleute nicht gefaßt ſeyn! Man bedeckte ihn mit bunten babyloniſchen Teppichen, und es ließ ſich ganz ſicher auf ihnen wandeln, auch ohne Entbloͤßung der Fuͤße, auch ohne die heilige Ab⸗ waſchung, die man jedoch nicht verſaͤumt hatte. Der Koͤnig knieete, und umarmte den geſtalt⸗ loſen Stein; ſeine Thraͤnen troffen auf ihn,


