Teil eines Werkes 
8. Bd. (1815)
Entstehung
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ihn noch fuͤr ſich ſelbſt; nur heiße Thraͤnen, die ſie in ſeinen Schoos weinte.

Minyas, durch Ungluͤck zwar nicht weiſe, aber weich und furchtſam gemacht, opferte in allen Heiligthuͤmern, und als ihm nirgends Weiſung, nur uͤberall die Stimme troͤſtender Schmeichelei entgegen kam, da ließ er ſich leicht von ſeiner geliebteren Tochter bereden, das neu⸗ gefundene Heiligthum zu beſuchen. Man ſuchte in alten Buͤchern, und fand, daß wirklich dort der Tempel der Nemeſis ſeyn koͤnne. Man fand in andern, die Goͤttin gehoͤre unter die Antwortgebenden, wenn man ſie gehoͤrig zu fragen wiſſe; ein drittes, wirklich gefunden, oder in der Eil durch Prieſterſchlauigkeit hervor⸗ gebracht, ſprach umſtaͤndlich von Opfern und Gebraͤuchen, und viele Wochen lang war das Hauptgeſchaͤft aller Gelehrten von Orchomenos, die Mittel zu erkunden, wie die Goͤttin, die in jedem reinen Herzen redet, zum Sprechen zu bringen, wie ihr, die an jeder unbefleckten Seele eine Prieſterin hat, ein Ausleger ihrer Geheimniſſe und ein Chor heiliger Jungfrauen