Teil eines Werkes 
8. Bd. (1815)
Entstehung
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in den Tempel der Venus Leucippe einfuͤhren wollte, wo er, ihr unbewußt, ihr Bild auf den Altar geſtellt hatte, wo, ihr unbewußt und un⸗ gewuͤnſcht, ihr Opfer flammen ſollen, toͤdtete ſie ein Blitz; Rache zugleich fuͤr die den Goͤttern geraubte Ehre, und Belohnung fuͤr die, die mitten im Gluͤck ſich nie des Gluͤcks uͤberhob, und den Vorzug des Todes der Lieblinge der Goͤtter verdiente. 4

Leucippe, die Tochter der Vergoͤtterten, war ſchoͤn und fromm wie ſie; eine zarte Blume, im fruͤheſten Aufbluͤhen, ein liebliches Kind, kaum noch zur Jungfrau gereift. Der groͤßte der Bildner formte eine Hebe nach ihr; Steine der koͤſtlichſten Art lagen ſchon bereit, ſich zum Tempel zu woͤlben, der ihren Namen tragen ſollte. Leucippe ging und wand die Haͤnde, auf welche fromme Thraͤnen troffen: Schonet, ſcho⸗ net, ihr Goͤtter! Ich bin nur eine Sterbliche!

Minyas hatte außer Leucippen noch zwei andere Toͤchter, weit verſchieden von ihr an Alter, noch verſchiedener an aͤußerm und innerm Werthe; hohe junoniſche Schoͤnheiten, ſtolz und